Steuer auf Erwachseneninhalte: North Carolina plant neue Abgabe
Prof. Dr. Hans Müller ·
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Die Gesetzgeber in North Carolina planen eine Steuer auf physische Erwachseneninhalte. Erfahren Sie, was das für Verbraucher und die Branche bedeutet und welche Lehren sich daraus für Deutschland ziehen lassen.
Die Gesetzgeber im US-Bundesstaat North Carolina erwägen eine neue Steuer auf Erwachseneninhalte. Der Vorschlag sieht eine „Abgabe für schädliches Material“ vor, die auf alle physisch verkauften Erwachsenenprodukte im Bundesstaat erhoben werden soll. Das klingt erstmal trocken, aber dahinter steckt mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde.
### Was genau ist geplant?
Die vorgeschlagene Steuer zielt auf physische Einzelhändler ab, die Erwachseneninhalte wie DVDs, Zeitschriften oder andere Materialien verkaufen. Anders als bei digitalen Angeboten, die online abgerufen werden, geht es hier um den klassischen Ladenverkauf. Der Steuersatz ist noch nicht endgültig festgelegt, aber erste Schätzungen gehen von einem Aufschlag von etwa 10 bis 15 Prozent auf den Verkaufspreis aus.
Das Besondere: Die Einnahmen sollen nicht einfach in den allgemeinen Haushalt fließen, sondern speziell für Programme zur Aufklärung und Prävention von Suchtverhalten verwendet werden. Das klingt nach einer guten Absicht, aber die Umsetzung wirft Fragen auf.

### Warum ist das relevant für Deutschland?
Auch wenn es sich um ein US-Gesetz handelt, hat die Diskussion Auswirkungen auf die Erwachsenenbranche weltweit. In Deutschland gibt es ähnliche Debatten, etwa über die Besteuerung von Sexarbeit oder die Regulierung von Online-Plattformen. Die EU arbeitet derzeit an einer Richtlinie zur Digitalsteuer, die auch Erwachseneninhalte betreffen könnte.
- **Steuerliche Aspekte:** In Deutschland unterliegen Erwachsenenprodukte bereits der regulären Mehrwertsteuer von 19 Prozent. Eine zusätzliche „Sündensteuer“ wie in North Carolina wäre hier politisch umstritten.
- **Gesellschaftliche Akzeptanz:** Die Diskussion zeigt, wie unterschiedlich Kulturen mit dem Thema umgehen. In den USA ist die Moral oft ein stärkerer Treiber für Gesetze als in Europa.
- **Wirtschaftliche Folgen:** Eine höhere Steuer könnte dazu führen, dass Verkäufe in den Online-Bereich abwandern, wo sie schwerer zu kontrollieren sind.
### Was bedeutet das für Verbraucher?
Für Kunden in North Carolina würde die Steuer die Preise in die Höhe treiben. Ein Erwachsenenfilm, der vorher 30 Euro kostete, könnte dann über 34 Euro kosten. Das mag auf den ersten Blick nicht viel sein, aber bei regelmäßigen Käufen summiert sich das. Viele Verbraucher würden wahrscheinlich auf digitale Alternativen ausweichen, die nicht von der Steuer betroffen sind.
Ein weiterer Punkt: Die Definition von „schädlichem Material“ ist vage. Was genau fällt darunter? Nur explizite Filme oder auch erotische Literatur? Die Gesetzesinitiative lässt hier viel Interpretationsspielraum, was zu Rechtsunsicherheit führen kann.
### Expertenmeinung: Prof. Dr. Hans Müller
Als Beziehungsberater und Sexualtherapeut sehe ich diese Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Einerseits ist es wichtig, den Jugendschutz zu gewährleisten und suchtpräventive Maßnahmen zu finanzieren. Andererseits darf eine Steuer nicht dazu führen, dass Erwachsene in ihrer freien Wahl eingeschränkt werden. Die Diskussion in North Carolina ist ein Beispiel dafür, wie leicht Moralvorstellungen in Gesetze gegossen werden können, ohne die tatsächlichen Auswirkungen zu bedenken.
> „Steuern auf Erwachseneninhalte sind oft ein politisches Symbol, das mehr Schaden anrichtet als Nutzen bringt. Sie treffen vor allem diejenigen, die sich ohnehin wenig leisten können, und fördern den Schwarzmarkt.“
### Fazit
Die geplante Steuer in North Carolina ist mehr als nur eine lokale Anekdote. Sie zeigt, wie Gesellschaften mit dem Spannungsfeld zwischen Freiheit, Moral und Wirtschaft umgehen. Für die Branche in Deutschland ist das ein Warnsignal: Ähnliche Forderungen könnten auch hierzulande laut werden. Bleibt abzuwarten, ob der Vorschlag tatsächlich Gesetz wird oder ob der Widerstand der Einzelhändler und Bürger ihn stoppt. Eines ist sicher: Die Debatte wird weitergehen.