Polyamorie-Irrtümer: Dr. Bisbey räumt im BBC auf
Prof. Dr. Hans Müller ·
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Dr. Lori Beth Bisbey räumt in einem BBC-Artikel mit Mythen über Polyamorie auf. Sie erklärt, dass einvernehmliche Nicht-Monogamie nicht nur um Sex geht, sondern um Ehrlichkeit, Kommunikation und Logistik. Ein wichtiger Beitrag für Beziehungsprofis in Deutschland.
Dr. Lori Beth Bisbey, eine renommierte klinische Psychologin und Beziehungsexpertin, wurde kürzlich in einem BBC-Artikel vorgestellt. Der Beitrag mit dem Titel „Having Multiple Partners Isn't All About Sex – It's Honesty, Logistics and a Good Calendar“ räumt mit Mythen und Vorurteilen über nicht-monogame Beziehungen auf. Als Beziehungsberater und Sexualtherapeut finde ich es wichtig, diese Klarheit zu verbreiten, denn das Thema wird oft missverstanden.
In dem Artikel definiert Bisbey einvernehmliche Nicht-Monogamie klar und zugänglich. Sie sagt: „Einvernehmliche Nicht-Monogamie liegt vor, wenn Menschen in einer romantischen Beziehung vereinbaren, dass sie nicht exklusiv miteinander sind, und dass sie in irgendeiner Form andere Partner haben können.“ Das ist eine Definition, die viele überraschen mag, aber sie ist präzise.
### Was bedeutet Nicht-Monogamie wirklich?
Bisbey betont, dass es nicht nur um Sex geht. „Oft wird bei dieser Definition nur über sexuelle Partner gesprochen“, erklärt sie. „Das ist nicht immer der Fall. Es gibt Menschen, die sehr tiefe emotionale Beziehungen ohne Sex führen, die sie trotzdem darunter fassen.“ Das ist ein wichtiger Punkt, denn die Gesellschaft neigt dazu, Polyamorie auf körperliche Aspekte zu reduzieren.
Sie stellt auch ein weit verbreitetes Vorurteil richtig: Die Annahme, dass Polyamorie nur eine Ausrede für Promiskuität sei. „Das ist völliger Unsinn“, sagt sie. „Ich bin seit 17 Jahren in einer nicht-monogamen Beziehung mit meinem jetzigen Mann und seit 10 Jahren mit einem anderen Partner.“ Ihre Erfahrung zeigt, dass Stabilität und Verbindlichkeit möglich sind.
### Die Herausforderungen der Polyamorie
Nicht-Monogamie ist nicht einfach oder bequem. Bisbey warnt: „Es ist auch keine gute Sache, der man zustimmt, nur weil der Partner es will. Wenn du unsicher bist, wird dich das noch unsicherer machen.“ Sie fügt hinzu, dass Nicht-Monogamie „keine gute Lösung für Probleme“ ist. Das deckt sich mit meiner Erfahrung: Gesunde Polyamorie erfordert harte Arbeit.
- **Kommunikation** steht an erster Stelle. Ohne offene Gespräche über Gefühle und Grenzen funktioniert es nicht.
- **Ehrlichkeit** ist unerlässlich. Jeder Partner muss seine Bedürfnisse klar äußern können.
- **Logistik** spielt eine große Rolle. Terminplanung wird zur echten Herausforderung, wie der BBC-Titel treffend sagt.
### Warum dieser Artikel wichtig ist
Der Beitrag von Rowenna Hoskin auf BBC.com bringt klinische Klarheit in ein Thema, das oft von Mythen und Stigmata umgeben ist. Bisbeys Aussagen zeigen, dass gesunde Polyamorie weniger von sexueller Freiheit abhängt, sondern von Kommunikation, Stabilität und Absicht. Für uns in Deutschland, wo das Thema noch tabubehaftet ist, ist das ein wichtiger Schritt.
Wenn du mehr über Dr. Lori Beth Bisbeys Arbeit erfahren möchtest, besuche ihre Website oder ihr Linktree. Sie ist eine der führenden Stimmen in diesem Bereich und ihre Einsichten sind Gold wert.
### Über Dr. Lori Beth Bisbey
Dr. Bisbey ist klinische Psychologin, akkreditierte GSRD-Therapeutin und Sex-Intimitäts-Coach. Sie lebt in Edinburgh und hat über 30 Jahre Erfahrung. Sie spezialisiert sich auf Geschlecht, Sexualität und Beziehungsvielfalt. Sie hilft traumatisierten Menschen, von Opfern zu Überlebenden zu werden. Sie ist auch die Beziehungstherapeutin in der Serie „Open House: The Great Sex Experiment“ auf Channel 4 und hostet den Podcast „The A to Z of Sex®“.
Ihre Arbeit ist ein Beispiel dafür, wie offene Dialoge über Sex und Beziehungen Authentizität fördern. Sie identifiziert sich selbst als queere, einvernehmlich nicht-monogame Lederfrau und führt eine autoritätsbasierte Beziehung mit ihrem Ehemann. Ein Vorbild für viele.
Insgesamt ist der BBC-Artikel ein Muss für alle, die sich für Beziehungsvielfalt interessieren. Er widerlegt Vorurteile und bietet eine ehrliche Perspektive. Als Therapeut kann ich nur empfehlen, sich mit diesen Ideen auseinanderzusetzen – sie könnten dein Verständnis von Liebe und Partnerschaft erweitern.